Worauf Eltern bei TikTok achten sollten

TikTok- Wer da?- Sicherheitsbedenken!

Kinder und Jugendliche, die bei Gleichaltrigen ab und an aufs Smartphone linsen oder bereits selbst eines besitzen, sind sicherlich schon einmal mit der beliebten App TikTok (vorher musica.ly) in Kontakt gekommen. Diese App ist nun ins Visier britischer Datenschutzbehörden geraten wegen erheblicher Bedenken wer denn auf TikTok Kinder und Jugendliche beobachten und kontaktieren kann.

Inhalt dieser Plattform der chinesischen Firma Bytedance sind dabei anders als bei etwa Facebook und Instagram keine Posts oder Bilder, sondern Lippensynchronisationen und Bewegungen zu Musik. Dieses sehr dynamische Modell steht bei Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt hoch in Kurs und TikTok zählte laut eigenen Angaben zu Beginn des Jahres 130 Millionen Nutzer weltweit, davon 4,1 Millionen in Deutschland, Tendenz stark steigend.

Wer interagiert mit wem auf TikTok?

Problematisch ist für Datenschützer nun, das theoretisch jeder dieser 130 Millionen Nutzer jeden kontaktieren kann.
Die App erlaubt es damit einfach sog. Cyber-Grooming zu betreiben. Unter dem englischen Begriff versteht man das Umwerben von Minderjährigen im Internet. Ziel des Cyber-Groomings ist dabei die digitale Anbahnung von sexuellem Missbrauch On- und Offline.
(Mehr Informationen und Tipps zu diesem Thema finden Sie hier: https://www.schau-hin.info/tipps-regeln/cybergrooming-so-schuetzen-eltern-ihre-kinder)
Die Funktionen von TikTok spielen solchen Vorhaben dabei in die Karten, denn es kann nicht nur potentiell jeder kontaktiert werden, es können auch Geschenke, die mit Geld bezahlt wurden versendet werden um somit dankbare Kinder und Jugendliche zu ködern. Darüber hinaus können Videos mit einem Duett oder einer Reaktion von wildfremden Menschen ergänzt werden, sodass neben dem Ursprungsvideo nun die Reaktion eines anderen zu diesem Video gezeigt wird. Bei einer Plattform, deren Hauptdarsteller junge Mädchen ab 12 Jahren sind, hinterlässt dies einen sehr faden Beigeschmack, wenn das Video eines Mädchens oder auch eines Jungen auf einmal durch die Reaktionen eines älteren Mannes ergänzt wird.

Schützen können sich Jugendliche davor, indem Sie ein privates Profil erstellen, auf welchem ihnen nur Freunde folgen können, die sie bestätigt haben. Auch die Duettfunktion kann deaktiviert werden.
Was jedoch nicht verhindert werden kann, das auch Videos in privaten Accounts TikTok gehören
und von TikTok genutzt werden können, wie der Fall eines amerikanischen Youtubers zeigt.
Dieser hatte sich in einem TikTok Video über die App lustig gemacht, worauf hin diese damit reagierte sein Video in eine Werbung auf Facebook zu schneiden, sodass er auf einmal im Verdacht stand für die Anwendung Werbung zu machen, obwohl seine Intention das genaue Gegenteil gewesen war. (https://www.youtube.com/watch?v=SDdR8cue4eE)

Aber nicht nur TikTok selbst kann Videos weiterverwenden. Auch wenn in der App selbst das herunterladen und weiterverbreiten von Videos nicht möglich ist, so kann über eine Link-Funktion, der Link zum Video kopiert werden, mit welchem dieses dann auf Video-Download-Websites heruntergeladen und anschließend weiterverbreitet werden kann.

Da TikTok ein so rasant wachsendes Unternehmen mit riesigem Potenzial darstellt, wird wohl auch in Kürze die Plattform für Firmen zu Werbezwecken freigegeben. Mithilfe der Belohnungsfunktionen könnte ein feuchter Traum vieler Firmen wahr werden: ein Millionenpublikum auf einer Trendenden Plattform, dass mit Geschenken geködert werden könnte in der App selbst Werbevideos zu produzieren, die gar nicht vorrangig als Werbung wahrgenommen werden, sondern als gehypte Videos auf einer hippen Plattform.

Worauf Eltern achten sollten.

Unser Tipp um diese Gefahren zu umgehen ist dabei eindeutig, Eltern sollten sich aktiv mit der App beschäftigen. Eigentlich ist die App ab 13 Jahren freigegeben, es findet aber keine sichere Altersüberprüfung statt. TikTok ist deswegen auch und vor allem bei jüngeren Kindern sehr beliebt, ein striktes Verbot vor dem 13. Geburtstag könnte darum für sehr viel Verdruss sorgen.
Sie sollten lieber direkt auf ihr Kind zu gehen, wenn es ein Smartphone besitzt und mit ihm über die Risiken von TikTok sprechen. Am besten bereiten Eltern sich darauf vor, indem sie sich die App selber herunterladen und sie sich einige Tage anschauen um danach mit dem Kind auf Augenhöhe kommunizieren zu können und ihm so zu zeigen, dass es verstanden wird, um damit eine bessere Basis für klare TikTok- Regeln zu schaffen.